Ein unbedachter Schritt und es ist passiert.  Der Fuß tritt zwischen den riesigen Felsblöcken ins Leere und der Körper verliert das Gleichgewicht. Der Rucksack ist schwer, nach Wochen des Wanderns ist der Körper müde und fällt unkontrolliert nach vorne. Schneller als ich realisieren kann, was gerade geschieht, knallt das Schienbein auf die Kante des Felsen, mit der linken Hand fange ich den Sturz ab. Ein Schmerz durchfährt das Handgelenk.

So passiert inmitten der italienischen Alpen. Alles nochmal gut gegangen, bis auf ein paar Blessuren am Bein und einem noch wenige Tage anhaltenden Schmerz im Arm, trage ich keine bleibenden Schäden davon. Doch was wäre wenn? Wenn ich zwischen die Felsen gefallen wäre? Wenn ich mir gar das Schienbein gebrochen hätte? Wenn ich nicht in Begleitung gewesen wäre? Liegen bleiben und hoffen das wer kommt? Wann würde wohl wieder jemand auftauchen? In ein paar Stunden oder doch erst in wenigen Tagen? Fixieren und durch das Blockfeld humpeln? Eher unwahrscheinlich. Die paar Ibuprofen, welche ich in meinem Rucksack habe, würden die Schmerzen wohl kaum lindern.

Ganz ehrlich gesagt: Ein wenig dramatisiert ist das jetzt schon. Lange habe ich an solche Eventualitäten keinen Gedanken verschwendet, doch eine gewisse Ehrfurcht ist da schon und sollte auch da sein. Was ist, wenn ich tatsächlich ohne Empfang fernab der nächsten Siedlung verunglücke. Ein Sturz ist gar nicht so abwegig, das weiß ich. Doch auch ein Bandscheibenvorfall kann durchaus ein Problem darstellen. Wenn man, Stunden entfernt von der nächsten warmen Hütte, irgendwo im nasskalten Geröll herumliegt.

Auf meiner Trekkingtour durch Lappland hatte ich somit erstmals einen Spot Gen3* dabei. Aufgrund der spärlichen Mobilfunkabdeckung in den Weiten Nordskandinaviens habe ich mich entschlossen für Notrufe und GPS Tracking auf diesen satellitengestützten Messenger zu setzen und diesem einen Test zu unterziehen. Das Gerät übermittelt und speichert meine Position, lässt mich OK Nachrichten absetzen und ruft im Ernstfall Hilfe. Ein echter Mehrwert auf einer Tour abseits der ausgetretenen Pfade.

Funktionsumfang Spot Gen3
S.O.S.

Die wohl elementarste Funktion des Spot Gen3: Im Falle einer lebensbedrohlichen Situation kann man mithilfe eines einzelnen Knopfdruckes seinen Standpunkt an das internationale Notrufzentrum GEOS übermitteln. Die Einsatzzentrale des texanischen Unternehmens koordiniert Notfalleinsätze auf der ganzen Welt und hilft tagtäglich in Not geratenen Outdoor Sportlern.  Der Spot Gen3 sendet alle fünf Minuten die GPS Koordinaten an das Notrufzentrum bis das Signal deaktiviert wird. GEOS kontaktiert daraufhin die Rettungskräfte vor Ort, welche einem dann zur Hilfe eilen. Für die Kosten der Bergung muss der Verunglückte in der Regel selbst aufkommen.

OK Taste

Mit dieser Taste lassen sich vordefinierte OK – Nachrichten, zusammen mit dem GPS Standort, per SMS oder Email an Freunde und Familie übermitteln. Der Wortlaut der Nachricht und die Kontaktdaten der Personen müssen im Vorfeld festgelegt werden.

Hilfe Taste

Benötigt man Hilfe aber steckt in keiner lebensbedrohlichen Situation, kann man dies seinen Notfallkontakten mithilfe dieser Funktion mitteilen. Auch hier müssen Inhalt der Nachricht und die Personen die es zu kontaktieren gilt vorher festgelegt werden. Diese müssen dann entscheiden, wie sie der Person helfen können. Optimaler Weise hat man sie vorher instruiert.

Individuelle Nachricht

Ganz ähnlich wie bei der OK Nachricht kann man eine weitere individuelle Nachricht festlegen, welche ebenfalls an die Kontakte übermittelt wird.

Tracking

Hat man den Trackingmodus aktiviert, sendet der Spot Gen3 in regelmäßigen Abständen die GPS Koordinaten. Mithilfe einer Karte kann man seinen Streckenverlauf darstellen und mit Freunden und Familie teilen. Die Trackingfunktion ist an einen Bewegungssensor gekoppelt und pausiert wenn man sich nicht bewegt. Auch die Intervalle können angepasst und das Signal in 5, 10, 30 oder 60 Minuten Takt gesendet werden.

Meine Erfahrung mit dem Spot Gen3

Für alle Nachrichten muss man vorher Empfänger und Inhalt festlegen. Ein Anpassen der Botschaft auf die akute Situation ist leider nicht möglich. Auch kann das Gerät lediglich Nachrichten senden und keine empfangen. Somit besteht eine reine Ein-Weg-Kommunikation. Ob es Sinn macht, in regelmäßigen Abständen mitzuteilen, dass es einem gut geht, halte ich für fraglich. Vielmehr führt es zu Irritationen falls dann doch mal eine Nachricht ausbleibt. Oft hat man, ohne Böses zu denken, ganz einfach anderes im Kopf. Auch sucht man nicht die Einsamkeit der Wildnis auf um dann Nonstop in Kontakt mit der Zivilisation zu stehen.

Im lebensbedrohlichen Notfall liegt unter einer Abdeckung der S.O.S. Knopf, welcher das internationale Such- und Rettungsdienst Zentrum GEOS benachrichtigt. Ich selbst musste davon glücklicherweise nie gebraucht machen, traf jedoch auf eine Gruppe Senioren die tags zuvor zeitnah Hilfe erhielten, nachdem ein Gruppenmitglied stürzte und sich das Bein brach. Sollte einem dies passieren, ohne Mobilfunkempfang und möglicherweise alleine abseits der Wege, kann das echt blöd enden.

Die Verarbeitung des Geräts ist durchwegs sehr wertig. Das robuste Gehäuse hat eine ansprechend Haptik und die skandinavische Witterung stellte selbstverständlich kein Problem für die Technik dar. Mit einem Batteriesatz schlägt das Gerät gerade einmal mit 117 Gramm zu Buche. Die Laufzeit bei einem Trackingintervall von 30 Minuten wird mit bis zu 3 Monate angegeben. Auf meiner Tour auf dem Nordkalottleden war es somit nicht von Nöten Ersatzbatterien mit zu nehmen.

Neben der Notfalltaste ist für mich die Möglichkeit den Wegverlauf aufzuzeichnen und später auswerten zu können interessant und hat mich schlussendlich zum Erwerb bewogen. Doch der Streckenverlauf wird leider nur für die letzten sieben Tage auf der Karte angezeigt und nur 21 Tage gespeichert. Auf längeren Touren ein echtes Manko. Schön um den Daheimgebliebenen live zeigen zu können, wo man sich befindet aber zur tatsächlichen Auswertung des GPX Tracks nicht wirklich geeignet.

Ein weiteres Problem ist der GPS Empfang. Sollte das Gerät keinen Kontakt zum Satelliten haben kann es natürlich auch keinen Standort übermitteln. Dies passierte mir im Reisacanyon. Während ich die Schlucht durchquerte konnte das Gerät meinen Standort nicht senden und so wurde die Karte nicht aktualisiert. In diesem Falle sorgte das nur für besorgte Mienen in der Heimat, sollte aber tatsächlich etwas passieren, muss die Suche ohne aktuellen Standpunkt stattfinden. Es wird empfohlen den Spot Gen3 so zu tragen, dass er Sicht zum freien Himmel hat. In Gebäuden, Höhlen und dichten Wäldern sowie bei starker Bewölkung lässt die Leistung nach.

Nicht die besten Bedingungen für einen guten Empfang: Wald, Bewölkung und Berge

Wie hoch sind die Kosten?

Der Knackpunkt sind die Kosten für einen Spot Gen3. Neben dem Anschaffungspreis von etwa 170 Euro benötigt man noch ein Service Abonnement. Ich konnte das Gerät zwar gebraucht kaufen, doch der Spot Basisvertrag kostet jährlich nochmal rund 180€. Hinzukommen ab dem zweiten Jahr nochmals etwa 15 Euro Netzwerk-Instandhaltungsgebühren. (Stand Kosten Januar 2018)

Leider ist es nicht möglich das Gerät monatsweise in Anspruch zu nehmen. Ist man nur wenige Wochen im Jahr unterwegs muss man sich gut überlegen ob die Kosten noch im Verhältnis stehen. In diesem Falle sollte man es in Betracht ziehen einen Spot Gen3 zu mieten. Auch hier fallen stattliche Kosten an, benötigt man das Gerät aber nur ein oder zwei Wochen liegen diese deutlich niedriger als im Eigenerwerb. Ein Gerät kann man beispielweise bei der WeSpot GmbH mieten.

Gibt es Alternativen?

Als Alternative zum Spot Gen3 gibt es zum Beispiel den Garmin inReach SE+*. Das Gerät kostet in der Anschaffung deutlich mehr, bringt aber weniger laufende Kosten mit sich. Auch ist es möglich den Service nur monatsweise in Anspruch zu nehmen.

Neben der Tracking Funktion bietet der inReach eine 2-Wege-Kommunikation und die Möglichkeit den Wetterbericht anzufragen. Ein echter Mehrwert.

Eine weitere Möglichkeit ist ein sogenanntes PLB (Personal Locator Beacon). Ein reiner Notfallsender der Eigentlich für die Luft- und Seefahrt entwickelt wurde. Das Gerät muss in einem Land registriert werden (in Deutschland nicht möglich) und ist auf das Wesentliche begrenzt. Auch wenn ein PLB in Deutschland nicht zulässig ist und in einem anderen Land registriert werden muss setzen eine Vielzahl an Wanderer auf die Notsender. Ich lege nah, sich vor der Anschaffung eines PLB in diese Thematik nochmals gut einzulesen.

Fazit zum Spot Gen3

Ob einem der Funktionsumfang des Spot Gen3* das Geld wert ist muss wohl überlegt sein. Natürlich geht es immer auch ohne und früher hat man solche technischen Spielereien auch nicht gehabt. Da hat man sich bewaffnet mit Karte und Kompass im Fjäll verlaufen und ist trotzdem nicht drauf gegangen. Aber ob dies Gründe sind, die technischen Möglichkeiten die sich uns heute bieten nicht auszunutzen, sei dahin gestellt. Lässt man die Kosten außer acht, würde ich mich wieder dafür entscheiden, solo und außerhalb der Saison in Lappland, ein Notfallsender mit zu nehmen. Möchte man auf technischen Balast verzichten, sich entkoppeln, liegt es näher das Smartphone und GPS Gerät zuhause auf dem Tisch liegen zu lassen.

Weitere Stimmen zum Messenger

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