Hiking Journal

Trekking, Weitwandern, Bergsteigen, Outdoors

Ultraleichte Trekking Packliste

Eine Menge Geld und wochenlanges Recherchieren hat es mich gekostet bis sie feststand: Meine Ausrüstung für die mehrtägige Wanderung durch Norwegen, Schweden und Finnland auf dem Nordkalottleden. Bis zu 800 Kilometer wollte ich, mit Rucksack und Zelt, durch das skandinavische Fjäll wandern. Grund genug, jeden Gegenstand meiner Ausrüstung genauestens unter die Lupe zu nehmen oder besser gesagt: auf die Waage zu legen. Gewicht sparen wo auch immer möglich war das Motto, ob durch gezieltes Auswählen von leichten Ausrüstungsgegenständen oder durch bewussten Verzicht auf Dinge, welche ich für entbehrlich hielt.

Die Region, Art und Jahreszeit der Tour spielen eine wichtige Rolle bei der richtigen Auswahl der Ausrüstung. Skandinavien war Neuland für mich und mein Erfahrungsschatz sehr begrenzt. Es würde nass und kalt werden, einzig das wusste ich. So dachte ich lange und viel über die richtigen Schuhe und ausreichend warme Kleidung nach. Dennoch, auch auf meinen Winterwanderungen in Spanien auf dem GR-221 oder Portugal auf der Rota Vicentina war ich ganz ähnlich ausgerüstet. Denn auch wenn es dort deutlich wärmer ist, der Grundstock dieser Liste hat sich für mich bewährt und ist prinzipiell, nach gewissen Anpassungen, meine Basis bei Touren jeglicher Art.

Auch von persönlichen Bedürfnissen und Ansprüchen hängt viel ab. Und leider auch vom eigenen finanziellen Spielraum. Die hier dargestellte Packliste spiegelt somit nur wieder was ich mitnehmen würde. Ja, richtig gelesen: würde. Denn sie besteht aus einer Mischung aus dem, was ich tatsächlich mitnahm und dem was ich nach knapp fünf Wochen mit nach Hause brachte, abzüglich dessen, was ich speziell für die tiefen Temperaturen des Nordens dabei hatte. Denn wie sich zeigte, musste ich trotz der gründlichen Planung unterwegs noch Gegenstände austauschen oder hinzufügen. Diese Packliste befindet sich somit im ständigen Wandel und passt sich stets den Touren an.

Nicht auf alle Ausrüstungsobjekte werde ich im Detail eingehen. Zu vielen jedoch gerne meine Meinung preisgeben. Und auch verzichte ich auf Schönrechnerei, denn auch wenn die magische Grenze für ein ultraleichtes Rucksackgewicht ohne Verbrauchsstoffe bei 5 Kilogramm liegen mag, den Inhalt das Hüftgurtes herauszurechnen und möglichst viel Equipment in die Hosentaschen zu stopfen hilft mir nicht das Ziel zu erreichen.

Aber seht selbst:

Kleidung am Körper
1491g
MützeIcebreaker Merino *42g
LongsleeveDilling Merino* 219g
HoseNike Laufhose116g
UnterhoseDilling Merino*74g
SockenDarn Tough 1/4 Hiker64g
TrekkingstöckeFizan Compact* 340g
SchuheSalomon Speedcross4*636g

Wie man unschwer erkennen kann hat sich bei mir Merino als Baselayer durchgesetzt. Gerne greife ich hier auf die günstigen Produkte aus Biomerinowolle vom dänischen Hersteller Dilling zurück. Diese locken auf ihrer Internetseite auch immer wieder mit Rabatten und Aktionen. Meist trage ich inzwischen ein locker sitzendes Longsleeve, welches als Temperaturregulierung und Sonnschutz dient. Kunstfaser kommt mir bei längeren Touren nichtmehr an den Körper.

Ganz anders sieht es bei der Oberbekleidung aus. Auch wenn ich die ein oder andere robuste Hose aus Mischgewebe besitze, das Trocknungsverhalten und Gewicht hat nicht überzeugt. Deshalb trage ich eine schnell trocknende Hose aus Kunstfaser und auch die wärmere Oberbekleidung, welche ich gegeben falls im Rucksack dabei habe ist aus Kunstfaser.

Ansonsten sind viele unspektakuläre aber bewährte Ausrüstungsgegenstände fest in meiner Packliste. Da wären zum Beispiel die Fizan Compact*, extrem günstige und zugleich extrem leichte Trekkingstöcke. Und natürlich meine heißgebliebte Merino Mütze* die mich schon seit vielen Kilometern begleitet.

Trailrunningschuhe haben leider keine hohe Lebenserwartung, somit ändert sich dieser Posten des Öfteren. In Skandinavien bekleideten Innov8 Roclite 280 meine Füße. Eher leichte Schuhe mit einem offenen Meshgewebe, aus welchen das Wasser nach dem Furten schnell wieder abfließt. In felsigeren Terrain oder in den Alpen bevorzuge ich die etwas schwereren aber auch festeren Salewa Wildfire*.

Kleiderschrank
1151g
LongjohnIcebreaker Merino*168g
LangarmshirtDilling Merino*219g
UnterhoseDilling Merino*74g
SockenIcebreaker Merino*53g
RegenjackeOR Helium177g
RegenhoseDynafit Transalper170g
Fleece PulloverJack Wolfskin Gecko*212g
Buff25g
PacksackSea to Summit 8l*53g

Für die Nacht brauche ich einen Satz sauberer und vor allem trockener Wäsche. Ansonsten verzichte ich auf Wechselkleidung und setzte auf die hervorragenden Eigenschaften der Merinowolle und regelmäßiges Waschen der Laufbekleidung. Der Packsack schützt die Kleidung tagsüber vor Feuchtigkeit und dient mir des Nachts als Kopfkissen.

Wird es tagsüber oder auch des Nachts kühler ziehe ich mein Fleece Pullover drüber. Solange keine unnötig schweren und teuren Features wie ein langer Reissverschluss und unnötige Taschen dran sind kann man hier nicht viel falsch machen. Einfach und günstig lautet hier die Devise: Jack Wolfskin Gecko* war damals meine Wahl. Alternativ gibt’s noch das The North Face Glacier* . Bei der Regenbekleidung setzte ich ebenfalls auf leichte und klein packbare Kleidungsstücke.

In Skandinavien sah die Packliste zudem ein wenig wärmer aus. Ich trug statt der kurzen Hose eine isolierende Lauftight  (die zumindest auch einen Teil der Moskitos abgehalten hat) und hatte zusätzlich noch eine wärmere Jacke* sowie Handschuhe dabei, welche ich in Pausen oder auch bei Nacht trug. Lebensretter in den ersten Tagen im Sumpf war auch das Kopfnetz*.

Rucksack
894g
ÜLA OHM 2.0820g
LinerMüllsack34g

Nicht der leichteste seiner Art. Vielleicht auch nicht der schönste. Funktionell überzeugt er mich aber in jeder Hinsicht. Obwohl ich Tragegestell und Rückenpolster entfernt habe ließ er sich noch mit 20 Kilogramm anständig tragen. Dafür ist er aber, ebenso wie ich, nicht gemacht.

Behausung
864g
ZeltSix Moon Designs - Skyscape Trekker780g
Heringe6 Stück MSR Groundhogs*84g

War ich auf Mallorca noch mit meinem nur 200 Gramm leichten selbst genähten MYOG Tarp unterwegs, entschied ich mich für Skandinavien für ein allseits geschlossenes Shelter. Dieses Schutz vor Moskitos bietende Zelt ist zudem auch deutlich sturmfester.  Die MSR Groundhogs* als Heringe sind für mich ein guter Kompromiss aus Gewicht und Funktion.

Schlafzimmer
800g
SchlafsackCumulus Quilt 350570g
StS Packsack 8l*25g
IsomatteTaR NeoAir XLite S*205

Hier zeigt sich, aus was für einem Holz ich geschnitzt bin. In dem Daunenquilt von Cumulus, welcher mit einer Komfort-Temperatur von +2° C gehandelt wird, wird mir trotz dicker Kleidungsschicht sehr schnell kalt. Dieses Setup stößt bei mir bereits bei rund 5° C an seine Grenze, musste in Norwegen aber auch bei Minustemperaturen herhalten. Die Isomatte muss sich noch beweisen. Bislang nutzte ich ein körperlanges Modell – da ging mir aber immer die Puste aus.

Küche
98g
Topf/BecherSnow Peak Titan 600ml*78g
SporkLight My Fire Titan*20g
WasserflaschePET

Auf kürzeren Touren in bewohnten Gebiet hat sich bei mir die kalte Küche durchgesetzt. Lediglich für das morgendliche Müsli schleppe ich Becher* und Göffel* mit. Einen Kaffee und/oder etwas Warmes zu Essen gibt’s dann jeweils in den Cafés und Bars der Ortschaften. Dies war mir im hohen Norden nicht möglich, deswegen war auf dem Nordkalottleden zusätzlich noch ein Gaskocher (25g) und MYOG Potcozy im Gepäck. Ohne literweise warmen Tee hätte ich die Motivation vermutlich nicht lange aufrecht halten können.

Bad
53g
HandtuchMikrofaser 40x40*27g
ZahnpastaDenttabs*
ZahnbürsteNachhaltige Holzzahnbürste* aus Bambus5g
Labello14g
Sonnencreme
KulturbeutelZiploc 1l7g

Sehr individuell und bei mir vermutlich sehr spartanisch. Das dünne Handtuch* aus Mikrofaser mit einer Seitenlänge von gerade einmal 40 Zentimetern dient bei mir als Waschlappen, Handtuch, und Kondenswasserwischlappen zugleich. Auf das Mitführen von Seife verzichte ich inzwischen gänzlich, zum einen hat diese nichts in unseren Gewässern zu suchen und zum anderen bietet sich auf Tour immer wieder die Möglichkeit, zusätzlich zur täglichen Katzenwäsche, irgendwo gescheit duschen zu gehen. Sei es in der Ortschaft die man nach einer Woche erreicht oder in dem Hostel, welches man aufgrund des miserablen Wetters aufsucht. Und dort findet man immer etwas Seife/Duschgel/Shampoo.

Sonnencreme hatte ich in Skandinavien natürlich nicht dabei, leider vergesse ich sie auch sonst viel zu oft. Doch ohne Lippenpflegestift gehe ich nichtmehr auf Mehrtagestouren.

Übrigens wird meine Zahnbürste abgesägt, nicht um etwa Gewicht zu sparen, sondern damit sie besser in den Ziplocbeutel passt.

Sonstiges
140g
Erste-Hilfe-SetMullbinde, Kompresse, Pflaster, Ibuprofen, Alkoholpads, Zeckenhaken*35g
ReparatursetSilNet, Flicken, Nähzeug, Dynacord19g
GeldbeutelMYOG18g
MesserVictorinox Classic Mini21g
OropaxFür Hostels, Sturm, Wolfsgeheul1g
Sonnenbrille36g
FeuerzeugBIC Mini10g

Mein Erste Hilfe Set wurde über die Zeit immer spärlicher. Schleppte ich auf der Alpenüberquerung noch mehrere Blister Ibuprofen und Kohletabletten mit, sind diese nahezu gänzlich aus dem Rucksack verschwunden. Auch alle anderen Bestandteile sind stark in der Anzahl reduziert worden. Nichtmehr missen möchte ich jedoch den Zeckenhaken*. Nach einem nächtlichen blutigen Massaker mit einer Pinzette im Schwarzwald hat mich diese Anschaffung schnell überzeugt.

Das Reparaturset besteht aus dem Flickzeug der Isomatte, ein Stück Dynacord, welches Wäsche-, Abspannleine und Schnürsenkel zugleich sein kann, sowie Nadel und Faden. Das ganze Zeug findet seinen Platz in einem weiteren Ziploc Beutel.

Technik
900g
SmartphoneSamsung A5179g
KameraSony RX100*295g
TaschenlampeThrunite Ti3*23g
USB Lader 38g
USB KabelAnker 10cm9g
PowerbankAnker Powercore 20100*
350g
Ziploc3l6g

Zu guter Letzt ohne viele Worte die Luxusgüter. Das muss jeder mit sich selbst ausmachen. Meine Spiegelreflexkamera habe ich bereits gegen eine leistungsstarke Kompaktkamera eingetauscht. Diese wiederum macht aber eine Powerbank von Nöten, es sei denn man quert täglich Ortschaften und schnorrt sich in Cafés und Bars durch. Das Smartphone nutze ich zur Notfallnavigation und habe dort Locus mit openandromaps installiert. Eine gute Kombination um sich mal schnell zu vergewissern ob man noch richtig steht, wenn das Licht angeht. Wie ich finde. Weitere Wanderführer, Wegbeschreibungen oder Unterlagen habe ich gegeben falls auch als .pdf auf dem Smartphone hinterlegt und Kartenmaterial ist unter Umständen auch dabei.

Fazit

Momentan fahre ich mit diesen Aufstellung zwar ganz gut, doch der Wunsch weiter Gewicht einzusparen ist noch vorhanden. Auch als ultraleicht geht das Setup mit seinen gut 4,939 Kilogramm wohl nur mit viel Wohlwollen durch, denn das ein oder andere Ausrüstungsteil zusätzlich landet ja doch meist im Rucksack. Das darf jedoch erstmal in den Hintergrund rücken. Im Grunde geht es weniger darum an Gewicht oder gar Komfort einzusparen, sondern vielmehr  Bedenken aus dem Weg zu räumen, zu Reduzieren, sich auf das Elementare zu beschränken.

Doch ich versuche diesem Prozess Zeit zu lassen, möchte mich rantasten um nicht all zu viel Geld für Gear zu versenken. Im Fokus steht momentan konsequente Reduktion der Dinge, welche ich mitschleppe. Herausfinden was wirklich wichtig ist.

Wieviel schleppt ihr auf eurem Rücken? Wo sehr ihr noch Potenzial!? Oder spielt das Gewicht für euch keinerlei Rolle?

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