Frisch geschoren und mit neuen Vorräten ausgestattet, sind wir noch am Vortag durch die Klamm von Sölden nach Zwieselstein in die dortige DAV Selbstversorgerhütte gelaufen. Statt des Lagers gab es dort nach dem Hotelzimmer vom Vortag ein Dreibettzimmer. Man muss sich ja langsam akklimatisieren.

Wir brechen noch vor sieben von der gut gefüllten Hütte auf. Sie ist ein Schnittpunkt unserer Route mit dem E5. Merkt man deutlich. Nach einem kurzen Aufstieg zur Lenzenalm holen wir das Frühstück nach. Zunehmend steiler geht es von dort an den Nedersee.

Nedersee

Einen verlockenden Abstecher verkneifen wir uns heute. Zwar liegt der Gipfel des Nederkogel (3163m) nur unweit unseres Weges, doch sparen wir uns unsere Kräfte für den morgigen Tag auf.  Eine ganze Weile geht es noch auf und ab, bis man auf einen archäologischen Lehrpfad trifft, welchem man nun folgt.

Vor einem im Blickfeld der Große Gurgelferner. Zu unserer Linken, auf der anderen Talseite, das Obergurgler Skigebiet und die Alpenstraße, die sich hörbar den Berg hochwindet.

Die Obergurgler Talseite

Kurz bevor es nochmals ein gutes Stück bergab geht, machen wir Siesta im Sonnenschein. Es ist heute stürmisch, aber im Windschatten eines Felsens lässt es sich gut aushalten.

Dann geht’s runter zur Kuppelealm und gleich dahinter wieder aufwärts. Zuerst an einem Wassersturz, der mit Steinen um sich wirft, vorbei und dann gemächlich aber stetig nach oben in Richtung Talende.

.Wassersturz

In der letzten halbe Stunde beginnt es leicht zu regnen und die Steigung nimmt deutlich zu. Froh, am Ramolhaus (3006m) im Trockenen angekommen zu sein, checken wir ein. Heute nehmen wir Lagerplätze, bekommen aber eins für uns allein. Viel ist nicht los bei dem Wetter.

Verregnetes Ramolhaus

Beim Abendessen sehen wir zwei Gesichter, die uns vor ein paar Tagen schon mal untergekommen sind. Sie Schaufenstergestalterin mit Zöpfen, er Comiczeichner in Hawaiihemd und kurzer Hose. Ich muss unweigerlich an den Comicbuchverkäufer aus „Die Simpsons“ denken. Die Beiden kommen aus München und haben zwei Wochen Zeit. Das Atterkarjöchl haben sie umfahren und sind heute von Obergurgel aufgestiegen. Nach den Ötztaler Alpen werden sie den L1 verlassen und in Richtung Meran gehen, um dort noch ein paar Tage zu wandern.

Auch die Gruppe aus dem Nachbarraum ist auf dem L1 unterwegs, hat aber ebenfalls nur noch eine Woche zur Verfügung. Wir werden sie nie wieder sehen.

Zur gebuchten Halbpension gibt es Spaghetti Bolognese und dann ein Klecks Mousse au Chocolat mit riesiger Sahnehaube. Den Gesichtern der Anderen nach zu urteilen, scheint das Bergsteigeressen auch nicht besser zu sein. Zumindest das Weißbier schmeckt.